Johannes Vahnenbruck
 +26.12.2003

Pünktlich zum Pfarrfest von St. Johannes, erschien das Buch “Liebenswertes Eppinghoven” von Johannes Vahnenbruck. Seit seinem 12 Lebensjahr sammelte er Bilder, Berichte, Geschichten und Pläne über seine Heimat Eppinghoven, doch erst im Ruhestand setzte er seine Idee um, dieses Buch zu schreiben. Leider konnte er das Erscheinen nicht mehr miterleben, denn am 26.12.2003 verstarb Johannes Vahnenbruck nach langer Krankheit. Er war immer eng mit seiner Heimat und der Kirche St. Johannes verbunden. Vor seiner Krankheit war er lange als Küster in St. Johannes tätig. Vor einigen Jahren gab er einen Vorabdruck aus seinem geplanten Buch heraus (siehe unten).

Das Buch erscheint in einer Auflage von 500 Stück und ist für 10 Euro an folgenden Stellen zu erwerben:

Bauernhof Bellingröhr, Berni Tekaat, Vorstandsmitglieder des Heimatvereins, Buchhandlung Daniel & Haibach in Voerde, Buchhandlung Baedeker in Dinslaken und bei Schreibwaren Heidrun Nix Hagenstr. 

Dies ist ein auszugsweiser Vorabdruck des Buches:

 

 

Liebenswertes

EPPINGHOVEN

 

Geschichte und Geschichten

 

gesammelt von Johannes Vahnenbruck

 

(Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers)

 

 

 

 

 

 

Pastorswahl in Eppinghoven

In früheren Jahrhunderten hatte so manche Kirchengemeinde besondere Vorrechte: Sondereinnahmen, Nutzungsrechte, zusätzliche Geistliche, Ehrentitel zu bestimmten Ämtern, vieles andere mehr und das Recht sich selbst einen Pastor zu wählen.

 

Die katholische Kirchengemeinde St. Johannes in Eppinghoven ist noch die einzige Gemeinde in Deutschland, die seit der Reformationszeit bis auf den heutigen Tag dieses Pfarrerwahlrecht besitzt. Das ursprünglich nur den männlichen "Familienoberhäuptern" bzw. ihren Witwen vorbehaltene Pfarrerwahlrecht der Eppinghovener hat in diesem 20. Jahrhundert mehrfach Änderungen erfahren, die durch ein anderes Verständnis der Mitverantwortung der Frauen in der Kirche und Gesellschaft bedingt waren. Bei der letzten Pfarrerwahl im Jahre 1987 erweiterte Bischof Reinhard Lettmann das Wahlrecht auf alle Pfarrangehörigen über 18 Jahre.

Frühe Geschichte

Kenntnisse über die Anfänge der Pfarrei St. Johannes Evangelist in Eppinghoven gehen bis auf ein ALLOD zurück, das die Zisterzienserabtei zu Altenberg im Jahre 1188 in der Pfarrei hatte. Allod ist ein Begriff aus dem germanischen Recht zur Bezeichnung von persönlichem Eigentum an Grund und Boden. Mit diesem Allod war spätestens seit 1226 eine eigene Kapelle in Eppinghoven verbunden, an der ein Geistlicher mit beschränkten Seelsorgerechten tätig war. Um 1350 erhielt der Seelsorger dieser Kapelle Pfarrrechte. Die jetzige Pfarrkirche wurde im Jahre 1450 anstelle der alten Kapelle gebaut. Im Jahre 1927M wurde sie erweitert; dieser Neubau wurde 1929 durch den Bischof von Münster, Johannes Poggenburg, geweiht.

Patronatsrechte

Anfangs besaß die Abtei Altenberg das Patronatsrecht an der Kapelle zu Eppinghoven. Zwischen 1188 und 1349 erfolgte ein mehrfacher Wechsel der Besitzverhältnisse und des Patronats. Am 3. Juli 1349 übertrug Graf Johann II. von Kleve den frommen "Brüdern der Johanniterkommende Walsum" das Patronat an der Kirche in Götterswick u.a. mit der dazugehörenden Kapelle in Eppinghoven.

Auf welche Weise die Abtei Altenberg das Patronatsrecht über die Kapelle zu Eppinghoven erhalten hat, ist nicht bekannt. Mit diesem Recht war die Pflicht verbunden einen geeigneten Priester bei der Kapelle anzustellen. Im Jahre 1236 wurde dieser Dienst dem "Wennemarus" übertragen, der aber bereits 1226, also 10 Jahre vorher, als "Kapellan von Eppinghoven" als Zeuge bei der Belehnung eines geschenkten Gutes an die Zisterzienserabtei Altenberg angeführt wird.

Entstehung des Wahlrechtes

Die Anfänge des Pfarrerwahlrechtes in Eppinghoven sind historisch nicht genau belegbar. In einer Chronik des Pastors Boußeljon aus dem Jahre 1920 heißt es. "Der Pfarrgemeinde Eppinghoven steht seit alters her bis auf den heutigen Tag das in der Diözese Münster einzige vorhandene Sonderrecht zu, ihren Pfarrer selbst zu wählen, während sonst der Pfarrer durch das bischöfliche Generalvikariat bestimmt wird. Worauf dieses uralte Recht zurückgeht, ist heute nicht mehr zu sagen, war selbst im Jahre 1685 schon nicht mehr bekannt, da zu dieser Zeit der damalige Pastor Pothmann schrieb, die Gemeinde besitze dieses Recht seit unvordenklichen Jahren. Es dürfen alle Familienoberhäupter wählen, heißt es, beim Tode des Familienvaters die Witwe. Nach der Ortsüberlieferung soll diese Sondervergünstigung mit der Einführung der Reformation in Zusammenhang stehen. Als der Oberkirchenmeister von Götterswickerhamm die Lehre Luthers einführte, sei dieser Teil des Eppinghovener Kirchenspiels mit dem Vikar von Götterswickerhamm nicht zum neuen Glauben übergetreten, vielmehr habe dieser das Sanktissimum aus der Kirche von Götterswickerhamm nach Eppinghoven überführt. Zum Dank dafür habe man das Recht der eigenen Pfarrerwahl den Eppinghovenern fortan zugestanden.

Weitere Entwicklungen

In dem Tagebuch des Pastors Ravens aus dem Jahre 1801 wird die weitere Entwicklung so beschrieben: In älteren Zeiten hatte die hiesige Gemeinde das Recht, zwei Geistliche zu ihrem Pastor zu wählen. Die zwei wurden von dieser Gemeinde dem zeitlichen Herrn Kommandeur des Johanniterordens zu Herrenstrunde und Walsum präsentiert und an einem von den zwei Gewählten und Präsentierten wurde von dem oben genannten Kommandeur die Collation ausgefertigt." Aber nachher wurde auf Nachsuchen der hiesigen Gemeinde im Jahre 1753 vom damaligen Kommandeur schriftlich für immer und ewig versprochen: "Einem, und zwar demjenigen die Collation zu geben, den die hiesige Gemeinde ihm zu ihrem Pastor präsentieren würde. Im Jahre 1753 also hatte der Johanniterkomtur in Walsum das Collationsrecht der Pfarrstelle, während die vorherige Präsentation der Gemeinde zustand.

Die Wahl im 19. und 20. Jahrhundert

In einem Schreiben des Bischofs von Münster vom 15. Juli 1869 an den Königlichen Oberpräsidenten in Koblenz wird von einer mit der Königlichen Staatlichen Regierung unter dem 3. Dezember des zurückliegenden Jahres abgeschlossenen und von der Königlichen Majestät am 28. Dezember 1862 genehmigten Vereinbarung berichtet, nach dem nach §2 dem König das landesherrliche Patronatsrecht in den Dekanaten Rees und Wesel zustehe.

Über Eppinghoven wird berichtet: "Hierbei ist jedoch zu bemerken, dass die Pfarrstelle zu Eppinghoven ohne Mitwirkung der Staatsbehörde aufgrund einer Präsentation seitens der Gemeinde, welche das Wahlrecht zu dieser Stelle beansprucht und seither ausgeübt hat, dem Priester Wilhelm Gautsch aus Wesel unter dem 1. Juli 1856 definitiv verliehen worden ist."

In den genannten Akten befindet sich ferner eine Urkunde vom 13. März 1908, in der es heißt, dass seiner Königlichen Majestät von Preußen das Patronatsrecht zu Eppinghoven zusteht. In der Urkunde wird die Präsentation des Pfarrverwalters Johannes Kempkes von Patronats wegen ausgesprochen. Zuvor, und zwar mit Schreiben vom 24. Januar 1908, hatte der Bischof von Münster dem örtlichen Dechanten geschrieben, dass der gewählte Pfarrverwalter Kempkes den Oberpräsidenten schriftlich um seine Präsentation bitten möge.

Diese Präsentation durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz erfolgte noch einmal im Jahre 1921 nach der Wahl des Pfarrverwalters Peter Boußeljon zum Pfarrer in Eppinghoven durch die Gemeinde. Die Pfarrerwahl im Jahre 1921 war die letzte, die mit einer anschließenden Präsentation des Gewählten durch eine staatliche Stelle verbunden war.

Nach dem Reichskonkordat 1933

In Art. 14 des Reichskonkordates von 1933 wird der katholischen Kirche das freie Besetzungsrecht für alle Kirchenämter und Benefizien ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde eingeräumt. Die nächste Pfarrerwahl in Eppinghoven im Jahre 1939 erfolgte auf der Grundlage der Bestimmungen dieses Konkordates.

Den vorhandenen Akten über die Pfarrerwahl in den Jahren 1801, 1822, 1845, 1856, 1890, 1908, 1920, 1939, 1964 und 1987 ist zu entnehmen, dass die Eppinghovener lange Zeit ihren Pfarrer frei gewählt haben. In einem Brief des Bischofs von Münster an den Landdechanten von Duisburg zur Wahl im Jahre 1822 weist der Bischof darauf hin, dass nur Priester der Diözese Münster gewählt werden dürfen, die wenigstens vier Jahre Seelsorge ausgeübt haben.

Einen Einschnitt in das Pfarrerwahlrecht der Gemeinde St. Johannes Eppinghoven brachte der "Codex Iuris Canonici von 1917'. Dort wird in can. 1452 bestimmt, dass Volkswahlen von Pfarrern "nur noch geduldet werden können" unter der Voraussetzung, dass das Volk einen von drei seitens des Bischofs vorgeschlagenen Kandidaten wählt.

In einem Schreiben vom 2. August 1939 an den örtlichen Dechanten, der der Tradition entsprechend zum bischöflichen Wahlkommissar ernannt wurde, hieß es, die Wahlberechtigten seien eingehend über diese Bestimmungen des Kirchenrechtes zu belehren und es sei für deren Einhaltung Sorge zu tragen.

Aus der Dreierliste, die der Bischof der Gemeinde vorlegte, wurde mit großer Mehrheit Herr Kaplan Heinrich Schmitz gewählt, der bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1964 die Pfarrei St. Johannes Evangelist in Eppinghoven leitete. Auffallend ist, dass bis einschließlich zur Pfarrerwahl 1939 Priester aus der näheren Umgebung gewählt wurden, die den Pfarrangehörigen bekannt waren. Das war später bei den Wahlen in den Jahren 1964 und 1987 nicht mehr der Fall. 1939: Pfarrer H. Schmitz war Kaplan in AltWalsum St. Dionysius gewesen, 1920: Pfr. P. Boußeljon war vorher Kaplan in Dinslaken St. Vincentius, ebenso war Pfr. W. Gautsch bis 1856 dort Kaplan. Pfr. M.L. Raumann war vorher Vikar in Spellen St. Peter (bis 1821).

Das aktive Wahlrecht

In der bereits zitierten Chronik des Pastors Boußeljon aus dem Jahre 1920 wird berichtet, dass das aktive Wahlrecht bereits 1685 in Eppinghoven nur den Familienoberhäuptern, genauer den Familienvätern und bei deren Tod ihren Witwen zustand. Nach diesem Modus wurde in Eppinghoven bis einschließlich zum Jahre 1964 der Pfarrer gewählt. In dem Protokoll über die Pfarrerwahl 1920 wird präzisiert, dass die männlichen Familienoberhäupter das 24. Lebensjahr vollendet haben müssen, eine Anforderung, die in der Wahlordnung von 1963 nicht mehr genannt wird.

Besondere Privilegien

Besondere Privilegien hatten von alters her die Eigentümer der Häuser, in denen zur Zeit der Errichtung der Kapelle in Eppinghoven im Jahre 1226 die Hofleute des Altenberger Klosters mit ihren Familien und ihrer Dienerschaft wohnten. Es waren dies die Häuser "Haus Wohnung" und "Haus Endt" (an gen Ende). Als später die Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist in Eppinghoven das Pfarrerwahlrecht hatte, erhielten die Eigentümer für beide Häuser je eine Stimme zusätzlich. Dieses Sonderrecht gab es noch bei der Wahl im Jahr 1964. Allerdings bestand bei dieser Wahl nur noch das Sonderrecht von "Haus Endt". Zuvor war ein Gebietsteil, auf dem "Haus Wohnung" lag, an die Pfarrei St. Barbara in Möllen abgepfarrt worden. Auch die Pfarrangehörigen von Möllen und ebenfalls die von Voerde, St. Paulus, die früher zu Eppinghoven gehörten, waren davon betroffen, sie standen im Jahre 1964 nicht mehr auf der Wählerliste. Bei der Pfarrerwahl im Jahre 1987 wurde schließlich das Sonderwahlrecht des Eigentümers von Haus Endt, nicht mehr geltend gemacht.

Die Art der Stimmabgabe

Zur Art und Weise der Stimmabgabe wird im Protokoll über die Pfarrerwahl 1856 folgendes berichtet:

"In welcher Art sollen die stimmberechtigten Gemeindemitglieder ihre Stimme abgeben? Dieser Punkt wurde damit erledigt, dass dies dem Herkommen gemäß mündlich geschehen solle. Damit jedoch nicht jeder erfahre, welchem Geistlichen der eine oder andere Stimmberechtigte seine Stimme gegeben hat, so wurde beliebt, dass der Wahlkommissar. Stimmzähler ernenne, die in der anstoßenden Stube die Stimmen eines jeden entgegennehmen und sich verpflichten, über die Stimmabgabe Stillschweigen zu beobachten. Ebenso wurde ein Protokollführer ernannt. "

Bereits bei der folgenden Pfarrerwahl im Jahre 1890 aber wurde diese Form der Stimmabgabe nicht mehr praktiziert. In dem Protokoll von 1890 heißt es, dass die Wahl" mit zugefalteten Stimmzetteln " getätigt wurde. Bei den Wahlen danach wurde diese Methode verfeinert und führte bei der Wahl im Jahre 1939 zu der bis heute geläufigen Form des Hineinlegens der Stimmzettel in eine Wahlurne, die vor der Wahl auf ihr Leersein geprüft und nach der Wahl erst wieder geöffnet wird.

Die Pfarrerwahl im Jahre 1964

Im Vorfeld der Pfarrerwahl 1964 gab es Grundsatzdiskussionen über die Pfarrerwahl in Eppinghoven. Sie entzündeten sich an der Frage, wer das aktive Wahlrecht ausüben sollte. Nach Vorgesprächen des örtlichen Dechanten Bomefeld im bischöflichen Generalvikariat hatte der Bischof von Münster, Josef Höffner, in einer Urkunde vom 25. September 1963, die in einer Kanzelverkündigung der Gemeinde am 29. September 1963 verlesen wurde, das Vorrecht der Pfarrei, ihren Pfarrer selbst zu wählen, bestätigt. Zugleich hatte er verfügt, dass die Wahl vom Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Evangelist Eppinghoven vorgenommen werden sollte. Von der Absicht dieses Wahlmodus hatte der Kirchenvorstand zuvor gewusst und die Regelung in einer Kirchenvorstandssitzung vom 12. September einstimmig bejaht. Gegen diese Übertragung des Wahlrechtes von den männlichen Familienoberhäuptem auf den Kirchenvorstand gab es in der Gemeinde Protest.

Der Heimatverein der Dorfgemeinschaft DinslakenEppinghoven und der Kirchenchor St. Johannes Eppinghoven legten schriftlich beim Generalvikariat Einspruch ein. Am 24. Oktober 1963 fand eine vom Heimatverein einberufene' Versammlung der örtlichen Vereinsvorstände statt, an der u.a. Vertreter folgender Gemeinschaften teilnahmen: Mütterverein, Kirchenchor, KAB, CAJ männlich und weiblich, Bürgerschützenverein 1743, Sportverein "Rheinwacht" und die Kamevalsgesellschaft "We sind wer dor". Außerdem waren ehemalige Kirchenvorstandsmitglieder anwesend, die bei den Pfarrerwahlen 1920 und 1939 aktiv tätig waren sowie eine Abordnung der freiwilligen Feuerwehr und einzelne Geistliche als Gäste. Von 40 stimmberechtigten Personen sprachen sich 34 für einen Einspruch gegen den vorgeschlagenen Wahlmodus aus. Der Einspruch wurde begründet mit dem Hinweis auf die bisherige Tradition. Ferner wurde auf die Möglichkeit hingewiesen,. dass der Kirchenvorstand, wenn ihm das Wahlrecht, übertragen würde, eines Tages gegen den Willen der Pfarrangehörigen das Wahlrecht selbst aufgeben könnte. Außerdem sei es den Kirchenvorstandsmitgliedern nicht zuzumuten, für so eine wichtige Entscheidung die alleinige Verantwortung zu tragen.

Auch die Geistlichen aus dem Raum Dinslaken hatten bei mehreren Zusammenkünften das Thema Pfarrerwahl in Eppinghoven lebhaft diskutiert, wie aus einem Bericht eines Teilnehmers vom 27. Oktober 1963 an den Generalvikar hervorgeht. Es wurde auch auf Einfluss einzelner Kirchenvorstandsmitglieder in der Gemeinde hingewiesen, der es inopportun sein lässt, dem Kirchenvorstand das Wahlrecht zu übertragen.

Am Buß und Bettag des Jahres 1963  es war der 20. November besuchten die Mitglieder des Kirchenvorstandes die Kandidaten für die Pfarrerwahl, deren Namen ihnen seit Oktober 1963 bekannt waren. Als am folgenden Tag, also am 21. November, der Kirchenvorstand im Pfarrheim zur Pfarrerwahl zusammengekommen war, tagten zur gleichen Zeit in einer Gaststätte in der Nähe der Krisenstab der Vereinsvorstände. Sie schickten eine Abordnung an den Kirchenvorstand, die Protest gegen die beabsichtigte Wahl einlegte und ankündigte, eine gegen ihren Protest durchgeführte Wahl nicht anzuerkennen. Außerdem wurde ein mittags an den Bischof, der auf dem Konzil in Rom weilte, geschicktes Fernschreiben verlesen. Daraufhin verzichtete der Kirchenvorstand auf die Durchführung der Wahl, die bis zur Entscheidung des Bischofs verschoben werden sollte.

Der Bischof von Münster, Josef Höffner, teilte in einem Schreiben an die Pfarrgemeinde St. Johannes in Eppinghoven, das in allen Gottesdiensten in der Pfarrkirche zu Eppinghoven am 2. Weihnachtstag 1963 verlesen werden sollte, mit, dass er eine erneute Prüfung der Frage angeordnet habe, ob es möglich ist, an der unter Kardinal Clemens August Graf von Galen geübten Form der Pfarrerwahl festzuhalten. Offenbar war die Entscheidung für die Beibehaltung des bisherigen Wahlmodus zu diesem Zeitpunkt bereits gefallen. Mit Schreiben vom 28. Dezember 1963 ernannte der Bischof den damaligen Vizeoffizial, Herrn Geistlicher Rat Dr. Paul Wesemann, zum bischöflichen Wahlkommissar "für die Präsentation eines neuen Pfarrers für die Gemeinde Eppinghoven". Er wies ihn an, die Wahlberechtigten eingehend über die in Betracht kommenden Bestimmungen des Kirchenrechts zu belehren und für die Einhaltung derselben Sorge zu tragen. Insbesondere verwies er auf die Norm des can.  1452 CIC, wonach nur aus einer vom Bischof vorgelegten Dreierliste gewählt werden konnte.

Anschließend benannte der Bischof drei Kandidaten und stellte sie näher vor. Zu wählen sei nach einer Wahlordnung, die für diese Wahl gelten soll. Am 10. Januar 1964 unterschrieb der Bischof die Wahlordnung und am 15. Januar 1964 teilte er dem örtlichen Kirchenvorstand mit, dass er Herrn Dr. Wesemann zum Wahlkommissar ernannt habe, übersandte die Wahlordnung und bat den Kirchenvorstand die Wahl vorzubereiten.

In der Wahlordnung heißt es:

Wahlberechtigt sind. alle männlichen Familienoberhäupter (Ehegatten), die der katholischen Kirche angehören und seit dem 1. 1. 1964 oder früher im Bereich der Pfarrgemeinde St. Johannes (außer Möllen und Voerde) ihren Wohnsitz gem. can §I CIC haben, in kirchlich gültiger Ehe leben oder verwitwet sind.

Ist das männliche Familienoberhaupt tot oder vermisst, so kann die Ehefrau unter den in 1 genannten Voraussetzungen das Wahlrecht ausüben.

Außer den Bewohnern des Haus Endt, die ein persönliches Stimmrecht haben, wird dem Eigentümer von Haus Endt weiterhin das Recht zugestanden, eine Stimme. durch Stellvertreter abgeben zu lassen. Es folgen Modalitäten über Wahlvorbereitung, die dem Kirchenvorstand obliegt (Aufstellung der Wählerlisten und Aushang derselben, Wahl der Wahlbeisitzer), über die Leitung der Wahl durch den bischöflichen Wahlkommissar und über die Durchführung der Wahl.

In seiner Predigt zur Pfarrerwahl im Februar 1964 ging der bischöfliche Wahlkommissar Dr. Wesemann auf die Geschichte der Pfarrerwahl in Eppinghoven und auf die Auseinandersetzung um den Wahlmodus für die anstehende Wahl ein. In dem in den Akten des Generalvikariates Münster befindlichen schriftlichen Text dieser Predigt heißt es u.a.: " Im Handbuch der Geschichte unseres Bistums finden wir die Nachricht, dass dieser Brauch heute nur noch in Eppinghoven lebendig ist. An einem zweiten Ort, wo er in unserem Jahrhundert noch Üblich war, in Steinfelden in Oldenburg, haben die Gemeindemitglieder im Jahre 1926 auf dieses Recht von sich aus verzichtet. " Es ist kein Zweifel, dass sich in den Jahrhunderten, in denen die Familienoberhäupter in Eppinghoven zur Pfarrerwahl sich zusammengefunden haben, innerhalb und außerhalb der Kirche vieles geändert hat.

Dr. Wesemann weist auf die Veränderungen hin, die örtlich durch das Wachsen der Kirchengemeinde erfolgt sind. Er zeigt auf, dass die ursprünglich für die anstehende Wahl vorgesehene Regelung, den Pfarrer durch den Kirchenvorstand zu wählen, der Überlegung entsprach, die Pfarrerwahl einem auf die Mitsorge für die pfarrlichen Angelegenheiten verpflichteten Personenkreis zu übertragen. Der Bischof habe aber schließlich entschieden, eine Änderung des Wahlverfahrens für die anstehende Wahl nicht durchzuführen, sodass es bei der bisherigen Regelung bleibt, den Pfarrer durch die Familienoberhäupter wählen zu lassen.

Am 16. Februar 1964 fand die Wahl statt. Wahlberechtigt waren 385 Personen, davon haben 208 abgestimmt (=54,03%).

In dem vom bischöflichen Wahlkommissar und vom stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes unterschriebenen Wahlprotokoll wird über die Kirchenvorstandssitzung vom 16. Januar 1964 berichtet, an der der bischöfliche Wahlkommis- sar teilnahm. Dort heißt es: "In dieser Sitzung hatte sich der Kirchenvorstand nach eingehender Diskussion aller mit der Pfarrerwahl zusammenhängenden Fragen unter Zurückstellung seiner bisherigen Gedanken bereit erklärt, alle für die Wahl erforderlichen Vorbereitungen zu treffen und vor allem für die Aufstellung der Listen der Wahlberechtigten Sorge zu tragen.

Die Wahl fand nach der Feier der Heiligen Messe um 9.00 Uhr statt, in der Dr. Wesemann zur Pfarrerwahl sprach (s.o.). Sie wurde durchgeführt in der katholischen Schule in Eppinghoven. Gewählte Beisitzer prüften den Wahlvorgang, der so umschrieben wird: "Die Wähler erhielten einen Stimmzettel, den sie nach ihrer Registrierung in der Wählerliste in einer Wahlkabine ankreuzten und in die verschlossene Wahlurne legten. "

Über die Ausübung des Sonderwahlrechtes von Haus Endt heißt es: "Die gemäß der Wahlordnung für St. Johannes Eppinghoven von der Bergwerksgesellschaft Walsum als Eigentümerin von Haus Endt zustehende Stimme gab Herr Bergwerksdirektor Bergassessor a.D. Dr. Ing. E. h. Herbert Barking für seine Gesellschaft ab. "

Der Wahlvorgang wurde um 10.45 Uhr geschlossen. Um 11.00 Uhr gab der Wahlkommissar den Wählern das Wahlergebnis bekannt. Mit großer Mehrheit wurde Herr Kaplan Johannes Garrelt aus Alpen zum Pfarrer gewählt.

Die Zeitungen berichteten ausführlich über die Wahl. Die Übertragung des Pfarramtes an Kaplan Johannes Garrelt erfolgte durch die vom Bischof von Münster am 20. Februar 1964 unterschriebene Collationsurkunde, in der maschinenschriftlich ergänzt wurde: " tibi per parochianus parocho electo ". Die Investitur erfolgte am 2. März 1964 im Generalvikariat, die Pfarreinführung am 22. März 1964.

Die Pfarrerwahl im Jahre 1987

Pfarrer Garrelt leitete die Pfarrstelle St. Johannes Evangelist in Eppinghoven bis zum 28. Juni 1987. Vor dem Ausscheiden aus dem Amt führte er mit einer Delegation aus Mitgliedern des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes zusammen mit dem örtlichen Dechanten ein Gespräch im bischöflichen Generalvikariat in Münster, und zwar am 12. März 1987. Da bereits längere Zeit vor diesem Gespräch die Frage der Weitergeltung des Eppinghovener Pfarrerwahlrechtes nach Inkrafttreten des neuen Codex im Generalvikariat geprüft und wegen der Ausnahmeregelung bejaht wurde, konnte den örtlichen Vertretern mitgeteilt werden, dass die Pfarrerwahl in Eppinghoven "in keiner Weise in Zweifel steht".

Auf Wunsch des Bischofs Reinhard Lettmann sollten zunächst der Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat Vorschläge für den Modus der Wahl (Wahlberechtigung) beraten und das Ergebnis dem Bischof mitteilen. Da es in diesem Gremium verschiedene Meinungen gab, die etwa gleich stark waren, ordnete der Bischof an, dass in einer Pfarrversammlung die ganze Gemeinde befragt würde.

Am 9. April 1987 fand in der Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist in Eppinghoven eine Pfarrversammlung statt, über die

Pfarrer Garrelt das bischöfliche Generalvikariat in Münster mit Schreiben vom 10. April 1987 unterrichtete. Die Pfarrversammlung sollte über den Wahlmodus zur anstehenden, Pfarrerwahl entscheiden. Drei Vorschläge wurden diskutiert:

    -wie bisher wählen nur Familienoberhäupter

    -wählen dürfen alle Pfarrangehörigen über 18 Jahren wie bei der Kirchenvorstandswahl

    - das Wahlrecht wird dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand übertragen.

Von den 62 anwesenden Pfarrangehörigen entschieden sich 46 in geheimer Abstimmung für den zweiten Vorschlag.

Zusammen mit dem Bericht über die Pfarrversammlung übersandte Pfarrer Garrelt dem Generalvikariat einen in der Pfarrgemeinde erarbeiteten Vorschlag für eine Wahlordnung, die eine Anpassung der Wahlordnung von 1964 an die Wahlordnung für die Kirchenvorstandswahl war. Dieser Entwurf wurde überarbeitet.

Die vorn Bischof von Münster am 2. Mai 1987 unterschriebene " Ordnung für die Pfarrerwahl in der Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist Eppinghoven " hatte folgende Einleitung: "In der Pfarrgemeinde St. Johannes Ev. in Eppinghoven besteht seit unvordenklicher Zeit das Recht der Pfarrerwahl. Dieses Pfarrerwahlrecht erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Modifizierungen, die durch das jeweils geltende allgemeine kirchliche Recht erforderlich waren. Derzeit besteht das Recht der Pfarrerwahl in' der Pfarrgemeinde St. Johannes Ev. Eppinghoven darin, dass der Pfarrer aus einer Liste von drei für das Pfarramt geeigneten Priestern gewählt wird, die der Bischof von Münster der Pfarrgemeinde vorlegt.

Das aktive Wahlrecht, das bisher nur alle männlichen Familienoberhäupter (Ehegatten) der Pfarrgemeinde besaßen, soll nach Wunsch der Pfarrgemeinde (Vorschlag der Pfarrversammlung vom 9. April 1987) nunmehr allen Pfarrangehörigen zukommen, die aktives Wahlrecht bei der Wahl zum Kirchenvorstand besitzen. Diesem Wunsch entspreche ich gern und erlasse die folgende Ordnung für die Pfarrerwahl in der Pfarrgemeinde St. Johannes Ev. in Eppinghoven. "

In den ersten beiden Paragraphen wird der Kreis der Wahlberechtigten näher umschrieben. Danach sind alle katholischen Christen, die in der Pfarrgemeinde wohnen und am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben, wahlberechtigt (§ 1).

Die Wahl soll vom Kirchenvorstand vorbereitet und unter Leitung eines vom Bischof ernannten bischöflichen Wahlkommissars durchgeführt werden. Die Wahlhandlung ist öffentlich. Die Stimmabgabe erfolgt geheim und durch Kenntlichmachung des Gewählten auf dem Stimmzettel ohne Unterschrift.

Zum Sonderwahlrecht des Hauses Endt: Haus Endt hatte bei der Wahl im Jahre 1987 einen neuen Eigentümer, der auch im Haus selbst wohnte, so dass die Gewährung eines zweiten Stimmrechtes außer für den Wohnungsinhaber auch für den Eigentümer gegenstandslos geworden war. Dieses Sonderwahlrecht wurde von niemandem mehr beansprucht. Es ist daher auch nicht mehr in die Wahlordnung von 1987 aufgenommen worden.

Am 14. Juni 1987 fand die Pfarrerwahl in Eppinghoven statt. Sie wurde geleitet vom Kreisdechanten von Wesel, Otto Van de Locht, den der Bischof von Münster zum bischöflichen Wahlkommissar ernannt hatte. Aus der Liste von drei Kandidaten wählten die Eppinghovener Herrn Pater Egbert Bessen aus der Ordensgemeinschaft der Hünfelder Oblaten mit großer Mehrheit zu ihrem neuen Pfarrer. Der Bischof von Münster übertrug Herrn P. Egbert Bessen am 14. August 1987 die Pfarrstelle St. Johannes Evangelist in Eppinghoven. Am 3. September 1987 erfolgte die Investitur im Generalvikariat zu Münster und am 6. September 1987 die Amtseinführung durch den örtlichen Dechanten, Herrn Wilhelm Huch. Über diese Pfarrerwahl berichtete die Presse ähnlich umfangreich wie über die Wahl 1964.

Schlussbemerkungen

Wie aufgezeigt wählte die Gemeinde St. Johannes in Eppinghoven seit der Reformation ihren Pfarrer. Die Formen der

Amtsverleihung jedoch wechselten im Laufe der Jahrhunderte. In früherer Zeit wurde der (einer der) von der Gemeinde Gewählte(n) durch den Kommandeur der Johanniterkommende kollationiert, d.h. der Kommandeur übertrug das Pfarramt. Später, und zwar einschließlich der Wahl im Jahre 1920, wurde der von der Gemeinde Gewählte im Auftrag des Königs von Preußen vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz dem Bischof präsentiert und vom Bischof instituiert. Diese Form der gebundenen Amtsverleihung erfuhr bei der Wahl im Jahre 1939 insofern eine Änderung, als von dieser Wahl an bis auf den heutigen Tag keine Präsentation mehr durch einen staatlichen Hoheitsträger erfolgte. Die Gemeinde wählt aus einem ihr vom Bischof vorgelegten Dreiervorschlag und der Bischof überträgt dem Gewählten das Pfarramt.

Obgleich das Il. Vatikanische Konzil einerseits die Mitverantwortung der Laien am Sendungsauftrag der Kirche betont, spricht es sich andererseits unmissverständlich gegen eine gebundene Verleihung der Kirchenämter aus. Damit wurde die Pfarrerwahl als solche noch nicht abgeschafft, sondern der Auftrag erteilt, sie nach Möglichkeit durch bessere Lösungen zu ersetzen.

Rechtlich ist die Pfarrerwahl in Eppinghoven also nach wie vor zulässig. Es mag dahingestellt sein, ob die Wahl eines Pfarrers durch die Gemeinde eine zeitgemäße Form der Mitverantwortung der Gläubigen am Sendungsauftrag der Kirche ist. Die Eppinghovener sehen das anders. Auf ihr Pfarrerwahlrecht wollen sie nicht verzichten.